Schwellenländeraktien haben das Börsenjahr 2025 mit einer Wertentwicklung von über 30 Prozent in US-Dollar abgeschlossen und damit entwickelte Märkte sowie US-Aktien erstmals seit 2017 auf Jahressicht übertroffen. Die Dynamik wird am Markt zunehmend nicht als isolierter Erholungseffekt, sondern als möglicher Beginn eines strukturellen Führungswechsels interpretiert.

Ende einer langen Schwächephase

Über weite Teile der vergangenen Dekade hatten Emerging Markets strukturell unterperformt. Mehrere Faktoren wirkten gleichzeitig belastend:

  • Der nominale Wachstumsvorsprung gegenüber Industrieländern schrumpfte, unter anderem infolge disinflationärer Tendenzen in China und steigender Produktionskosten.

  • Geopolitische Spannungen und Handelskonflikte hielten die Risikoprämien dauerhaft erhöht.

  • Eine steigende Aktienanzahl verwässerte in vielen Märkten den Gewinn je Aktie, während Unternehmen in den USA verstärkt auf Aktienrückkäufe setzten.

Diese Kombination führte zu anhaltenden Bewertungsabschlägen und geringer internationaler Kapitalallokation.

Strukturelle Gegenwinde schwächen sich ab

Seit 2025 mehren sich Hinweise auf eine graduelle Trendwende. Mehrere Schwellenländer zeigten sich makroökonomisch robuster als erwartet, während Handelsströme stärker innerhalb der Emerging-Markets-Region diversifizierten. Dadurch verringerte sich die Anfälligkeit gegenüber einzelnen westlichen Absatzmärkten.

Parallel gewinnt die Aktionärsorientierung an Bedeutung. Aktienrückkäufe haben seit 2020 deutlich zugenommen, staatlich flankierte Programme zur Steigerung der Kapitalmarkteffizienz, insbesondere in Asien, fördern zusätzliche Ausschüttungs- und Rückkaufinitiativen. Die Verwässerung des Gewinns je Aktie nimmt damit tendenziell ab.

Bewertungen weiterhin mit Abschlag

Trotz der Rally bleiben Schwellenländer relativ günstig bewertet. Das Shiller-KGV liegt weiterhin rund 45 Prozent unter dem Niveau entwickelter Märkte. Auch die Kapitalallokation globaler Investoren ist unterdurchschnittlich. Eine Rückkehr auf den Zehnjahresdurchschnitt würde potenzielle Zuflüsse in dreistelliger Milliardenhöhe implizieren, während die tatsächlichen Mittelzuflüsse zuletzt deutlich darunter lagen.

Selektive Chancen nach Sektoren

Innerhalb der Anlageklasse differenziert sich das Chancenprofil zunehmend:

  • Technologie profitiert von der globalen AI-Investitionswelle, insbesondere bei Hardware-Zulieferern und Halbleiter-Infrastruktur.

  • Konsumwerte erhalten Rückenwind durch sinkende Inflationsraten und stabilere Realeinkommen.

  • Finanzwerte profitieren von Marktkonsolidierung und Kapitalmarktreformen.

  • Rohstoffe und Infrastruktur bleiben strukturelle Profiteure der Energiewende, mit besonderem Fokus auf Kupfer sowie strategischen Edelmetallen.

Fazit

Die Outperformance des Jahres 2025 allein begründet noch keinen Superzyklus. Die Kombination aus sinkenden Risikoprämien, verbesserter Kapitaldisziplin der Unternehmen, attraktiven Bewertungen und niedriger Investorenpositionierung spricht jedoch für ein zunehmend konstruktives Langfristumfeld.

Emerging Markets bleiben damit keine taktische Beimischung, sondern entwickeln sich wieder zu einer strategisch relevanten Kernallokation – vorausgesetzt, die strukturellen Reform- und Stabilisierungstrends setzen sich fort.