Trotz eines deutlich kryptofreundlicheren politischen Umfelds ist die Zahl der Bitcoin-Millionärsadressen im Jahr nach Donald Trumps Rückkehr ins Weiße Haus spürbar zurückgegangen. Laut einer Analyse des Finanzportals Finbold sind seit Trumps Amtseinführung im Januar 2025 rund 25.000 Bitcoin-Adressen mit einem Vermögen von mindestens einer Million US-Dollar verschwunden.
Auf Basis von Blockchain-Daten von BitInfoCharts zeigt die Auswertung: Zum Zeitpunkt der zweiten Amtseinführung Trumps im Januar 2025 hielten 157.563 Bitcoin-Adressen BTC im Wert von mindestens einer Million US-Dollar. Bis zum 20. Januar 2026 sank diese Zahl auf 132.383 Adressen – ein Rückgang um 25.180 Adressen oder rund 16 % binnen eines Jahres.
Der Rückgang folgte jedoch keinem abrupten Einbruch, sondern einem klassischen Boom-und-Abkühlungszyklus. Die Zahl der Bitcoin-Millionäre stieg zunächst auch nach Trumps Amtsantritt weiter an und erreichte ihren Höhepunkt im Oktober 2025, als der Bitcoin-Preis ein Allzeithoch von über 126.000 US-Dollar markierte. In den darauffolgenden Monaten gingen sowohl der Preis als auch die Zahl der Millionärsadressen zurück.
„Der entscheidende Punkt ist der Zeitpunkt“, erklärt Jordan Major, Co-Autor der Studie. „Trumps Wahlsieg und die ersten Monate seiner Präsidentschaft fielen mit einem starken Vermögensaufbau im Bitcoin-Netzwerk zusammen. Der absolute Höhepunkt der Millionärsadressen wurde jedoch erst später, beim Preisgipfel im Oktober 2025, erreicht. Seitdem beobachten wir eher eine Normalisierung als einen Zusammenbruch.“
Große Bitcoin-Vermögen zeigen höhere Widerstandskraft
Weniger stark fiel der Rückgang bei den größten Bitcoin-Vermögen aus. Adressen mit einem BTC-Bestand im Wert von mehr als 10 Millionen US-Dollar gingen im selben Zeitraum von 18.801 auf 16.453 zurück – ein Minus von 12,5 %. Dies deutet auf eine höhere Stabilität und langfristigere Haltestrategien bei sehr großen Investoren hin.
Auch der Kursverlauf des Bitcoin spiegelt diese Entwicklung wider: Am 20. Januar 2025 notierte BTC bei 102.016 US-Dollar, erreichte im Oktober 2025 ein Hoch von über 126.000 US-Dollar und fiel bis zum 20. Januar 2026 auf 92.558 US-Dollar zurück.
„Auffällig ist die Divergenz zwischen den Vermögensklassen“, sagt Diana Paluteder, ebenfalls Co-Autorin der Studie. „Adressen im mittleren Millionensegment bauten nach dem Hoch stärker ab, während Wallets mit mehr als zehn Millionen Dollar deutlich stabiler blieben. Das spricht eher für eine Konsolidierung als für einen breiten Ausstieg.“
Wahlsieg befeuerte Vermögensaufbau vor Amtsantritt
Nach Trumps Wahlsieg am 6. November 2024 lag der Bitcoin-Preis noch bei rund 69.000 US-Dollar. Zu diesem Zeitpunkt zählte das Netzwerk lediglich 120.851 Bitcoin-Millionärsadressen – deutlich weniger als zur Amtseinführung.
In den Wochen danach setzte eine starke Rally ein. Bitcoin überschritt bis Januar 2025 die Marke von 100.000 US-Dollar, was zu einem rasanten Anstieg hochbewerteter Wallets führte. Anleger positionierten sich im Vorfeld erwarteter regulatorischer Erleichterungen und einer stärkeren Einbindung digitaler Vermögenswerte in das US-Finanzsystem.
Trumps Krypto-Agenda: Rückenwind mit Nebenwirkungen
Donald Trump hatte bei seiner Rückkehr ins Weiße Haus angekündigt, die USA zur „Krypto-Hauptstadt der Welt“ zu machen. In vielen Punkten setzte seine Regierung dieses Ziel um: kryptofreundliche Regulierer wurden ernannt, entsprechende Gesetzesinitiativen durch den republikanisch dominierten Kongress vorangetrieben und Schnittstellen zwischen traditionellem Finanzsystem und digitalen Assets weiter geöffnet.
Zudem engagierten sich Trump und Mitglieder seiner Familie selbst im Kryptosektor – unter anderem über Bitcoin-Mining-Projekte, Finanzdienstleistungen sowie einen medienwirksamen TRUMP-Meme-Coin.
Während Befürworter darin ein klares Bekenntnis zur Branche sehen, äußerten Kritiker Bedenken hinsichtlich möglicher Interessenkonflikte. Diese Vorwürfe wies das Weiße Haus wiederholt zurück.
Was die Zahlen wirklich aussagen – und was nicht
Finbold weist ausdrücklich darauf hin, dass Blockchain-Daten Adressen, nicht Personen erfassen. Einzelne Akteure – etwa Börsen, Fonds oder institutionelle Investoren – können zahlreiche Wallets kontrollieren, während umgekehrt eine Adresse Vermögen vieler Nutzer bündeln kann.
Die Zahl der Bitcoin-Millionärsadressen entspricht daher nicht der tatsächlichen Zahl individueller Bitcoin-Millionäre. Dennoch gelten Veränderungen auf Adressebene als etablierter Indikator für Kapitalverteilung, Vermögenskonzentration und Anlegerverhalten im Bitcoin-Netzwerk.
Unterm Strich zeigt die Analyse: Trotz politischem Rückenwind hat sich der Bitcoin-Markt nach der Euphoriephase konsolidiert – mit spürbaren Auswirkungen vor allem auf das mittlere Millionensegment
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