Die Festnahme von Nicolás Maduro durch US-Streitkräfte markiert einen geopolitischen Wendepunkt in Lateinamerika. Politisch ist der Schritt brisant, doch die unmittelbaren Auswirkungen auf die globalen Märkte bleiben bislang überschaubar.
Rohstoffe
Venezuela verfügt im Orinoco Belt über die weltweit größten bekannten Ölreserven, doch die Produktion ist in den vergangenen zwei Jahrzehnten von knapp 3 Millionen auf rund 0,9 Millionen Barrel pro Tag gefallen. Dies ist nur etwa 1 % der globalen Förderung. Ursache ist das jahrelange Missmanagement unter den Regierungen von Chávez und Maduro.
Die US-Regierung signalisiert nun, amerikanischen Ölkonzernen Zugang zu venezolanischen Reserven und Infrastruktur zu gewähren. Das könnte langfristig eine Neuausrichtung der Energiewirtschaft einleiten. Zugunsten der amerikanischen Ölkonzerne und ihren Raffinerien am Golf und zulasten Chinas, das bisher rund 80 % der venezolanischen Exporte erhielt. Kurzfristig sind jedoch keine großen Produktionssprünge zu erwarten: Schweröl erfordert spezialisierte Technik, die Infrastruktur liegt seit Jahrzehnten brach, und Investitionen brauchen Jahre. Branchenanalysten halten einen moderaten Anstieg auf über 1 Million Barrel pro Tag mittelfristig für realistisch, schnelle oder massive Steigerungen aber für unwahrscheinlich.
Es dürfte damit trotz der Intervention zu keinem dramatischen Preisverfall beim Öl kommen. Dies wird auch begünstigt, weil die Netto-Positionierung am Terminmarkt aktuell deutlich unter dem historischen Durchschnitt liegt. Es gibt also eine eher neutrale Marktstimmung und reduzierten potenziellen Verkaufsdruck.
Des Weiteren dürfe das jährliche Rohstoffindex-Rebalancing zu weiteren Käufen von Öl-Futures führen, was den Preis stützt. Hinzu kommen die fortgesetzte Förderdisziplin der OPEC+ sowie saisonale Nachfrageeffekte, die bis Mitte 2026 für tendenziell stabile bis leicht steigende Preise sprechen.
Gold und Silber haben zugelegt. Die Hauptgründe dürften, wie im letzten Jahr, Zinssenkungserwartungen, sinkende Anleiherenditen, ein schwächerer US-Dollar und robuste Zentralbankkäufe sein. Allerdings ist die Venezuela-Krise ein Symptom der verschärften geopolitischen Bedrohungslage, was die Flucht in den sicheren Hafen Edelmetalle begünstigt.
Aktienmärkte
Durch die enge Verbindung von Politik und Energieressourcen, waren es bei den Aktien vor allem Energietitel, insbesondere aus den USA, und Rüstungsunternehmen, die Auswirkungen auf ihre Kurse gesehen haben.
Die US-Energieaktien legten kräftig zu: Chevron stieg im vorbörslichen Handel um rund 7 %, später sogar bis zu 10 %. Exxon Mobil gewann 4,5 %, ConocoPhillips sogar 7,3 %.
Zu den größten Gewinnern gehörten auch Öldienstleister wie Halliburton Co und Schlumberger AG (SLB). Halliburton erreichte vorbörslich +10,3 %, im Tagesverlauf noch +7,9 %, SLB legte um etwa 9% zu.
Das mit der militärischen Operation einhergehende politische Risiko war erneut ein Vorteil für die Titel von Rüstungsunternehmen. In den USA stiegen Lockheed Martin um +2 %, Northrop Grumman um +4 %, der Branchen-ETF iShares U.S. Aerospace & Defense ETF (ITA) erreichte ein neues Hoch mit +2,7%. In Europa legten Rheinmetall um 9 %, Hensoldt um 8 %, BAE Systems um 4,6 %, Thales um 4,5 %, Leonardo um 6 %, Renk um 8 % und Saab um etwa 7 % zu.
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