Der Einsatz künstlicher Intelligenz verändert zunehmend die Struktur ganzer Branchen und wirkt sich immer stärker auf den Arbeitsmarkt aus. Während der Stellenabbau zunächst vor allem klassische Technologieunternehmen betraf, greifen die Veränderungen inzwischen auch auf andere Bereiche über. So haben etwa große Finanzhäuser begonnen, ihre Belegschaften zu reduzieren, da automatisierte Systeme viele bislang manuelle Aufgaben übernehmen.

Neue Zahlen zeigen nun das Ausmaß der weltweiten Entlassungswellen in der Technologiebranche im Jahr 2026.

Tausende Stellenstreichungen durch KI

Für den Bericht werteten die Analysten Kündigungs- und Restrukturierungsdaten aus mehreren verifizierten Quellen aus. Dazu gehören unter anderem US-amerikanische WARN-Meldungen (Worker Adjustment and Retraining Notification), die Plattform TechCrunch, der Arbeitsmarkt-Tracker Layoffs.fyi sowie Daten des Branchenanalysten TrueUp.

Das Ergebnis: Seit Beginn des Jahres 2026 wurden weltweit rund 45.363 Stellen in der Techbranche gestrichen. Davon stehen etwa 9.238 Entlassungen, rund 20 Prozent, in direktem Zusammenhang mit dem Einsatz künstlicher Intelligenz und entsprechenden Umstrukturierungen.

Führungskräfte aus Wirtschaft und Forschung warnen seit längerem, dass KI den Strukturwandel im Arbeitsmarkt beschleunigt. Unternehmen reorganisieren ihre Prozesse zunehmend rund um Automatisierung, maschinelles Lernen und Effizienzsteigerungen. Dabei geraten nicht nur einzelne Tätigkeiten, sondern teilweise ganze Berufsprofile unter Druck.

Block führt Liste der KI-bedingten Entlassungen an

Besonders stark fällt der Stellenabbau beim US-Technologieunternehmen Block aus. Der Konzern, der unter anderem Zahlungs- und Finanzdienstleistungen anbietet, plant den Abbau von 4.000 Arbeitsplätzen.

Unternehmenschef Jack Dorsey erklärte in einem Social-Media-Beitrag, die Maßnahme sei nicht durch finanzielle Probleme ausgelöst worden. Vielmehr ermögliche die rasche Entwicklung von KI-Werkzeugen, eine wachsende Zahl von Aufgaben automatisiert zu erledigen.

Im Zuge der strategischen Neuausrichtung auf KI soll die Belegschaft von rund 10.000 auf etwa 6.000 Mitarbeiter reduziert werden.

Auch andere Technologieunternehmen haben im laufenden Jahr umfangreiche Stellenstreichungen angekündigt:

  • WiseTech Global – 2.000 Entlassungen
  • Livspace – 1.000 Entlassungen
  • eBay – 800 Entlassungen
  • Pinterest – 675 Entlassungen
  • ANGI Homeservices – 350 Entlassungen
  • Oracle – 254 Entlassungen
  • MercadoLibre – 119 Entlassungen

Automatisierung verändert Geschäftsmodelle

Viele der betroffenen Unternehmen begründen den Stellenabbau mit der zunehmenden Produktivität neuer KI-Systeme.

Der australische Logistiksoftware-Anbieter WiseTech Global etwa baut rund 2.000 Stellen ab, um seine Plattform stärker auf KI-gestützte Entwicklungsprozesse auszurichten. Laut Unternehmensführung steigern generative KI und große Sprachmodelle die Produktivität in der Softwareentwicklung erheblich, wodurch klassische Programmier- und Wartungsprozesse teilweise überflüssig werden.

Auch das in Singapur ansässige Unternehmen Livspace reduziert seine Belegschaft um rund 1.000 Mitarbeiter. Ziel ist es, den Einsatz von KI in seiner digitalen Plattform für Innenarchitektur und Wohnraumgestaltung deutlich auszuweiten und stärker personalisierte Dienstleistungen anzubieten.

Beim Online-Marktplatz eBay wiederum spielt KI eine zentrale Rolle bei der Automatisierung von Produktbeschreibungen, Preisoptimierung und Kundenservice-Prozessen. Systeme können inzwischen Produkttexte generieren, Angebote kategorisieren und Verkäufer bei Preisstrategien unterstützen – Aufgaben, für die früher größere operative Teams erforderlich waren.

Strategiewechsel bei Plattformunternehmen

Auch soziale Netzwerke passen ihre Strukturen an. Pinterest hat rund 675 Stellen gestrichen, was etwa 15 Prozent der Belegschaft entspricht. Das Unternehmen bezeichnet die Umstrukturierung als Teil einer „AI-forward strategy“, also einer Strategie, die KI konsequent in den Mittelpunkt stellt.

Nach Angaben des Unternehmens sollen künftig vor allem KI-orientierte Teams und Produkte ausgebaut werden. Gleichzeitig werden Büroflächen reduziert und Vertriebsstrukturen gestrafft. Die Reaktionen auf die Ankündigung fielen gemischt aus: Während einige Investoren die Neuausrichtung begrüßten, äußerten Nutzer zunehmend Bedenken über den wachsenden Anteil KI-generierter Inhalte auf der Plattform.

Strukturwandel mit Folgen für den Arbeitsmarkt

Die aktuellen Entwicklungen zeigen einen grundlegenden Wandel der Technologiebranche. Viele Unternehmen investieren massiv in KI-Infrastruktur und automatisierte Prozesse, um ihre Effizienz zu steigern.

Gleichzeitig verändert diese Transformation die Struktur des Arbeitsmarktes. Besonders betroffen sind häufig Einstiegspositionen oder Tätigkeiten mit stark standardisierten Abläufen. Ökonomen warnen daher, dass eine anhaltende Welle von KI-bedingten Entlassungen mittelfristig auch über die Techbranche hinaus Auswirkungen auf Beschäftigung und Qualifikationsanforderungen haben könnte.

Fest steht bereits jetzt: Mit der rasanten Verbreitung künstlicher Intelligenz geht es längst nicht mehr nur darum, ob sich Arbeitsplätze verändern, sondern wann und wie schnell dieser Wandel ganze Berufsbilder erfasst.