Viele Anleger gehen davon aus, dass aktive Manager ihre Benchmark langfristig nur selten übertreffen. Diese Einschätzung stützt sich vor allem auf jahrzehntelange Studien zum Aktienmarkt, der als vergleichsweise effizient und transparent gilt. Entsprechend schwer fällt es aktiven Aktienstrategien häufig, einen nachhaltigen Mehrwert zu erzielen.

Für den Rentenmarkt lässt sich diese Schlussfolgerung jedoch nicht ohne Weiteres übertragen. Anleihemärkte sind strukturell weniger effizient, weniger transparent und deutlich stärker fragmentiert als Aktienmärkte. Genau daraus ergeben sich Spielräume für erfahrene aktive Manager.

Hinzu kommt: Das starke Wachstum passiver Strategien hat bestehende Marktineffizienzen teilweise verstärkt. Indexorientierte Kapitalströme beeinflussen die Preisbildung, während die disziplinierende Wirkung aktiver Investoren abnimmt. Daten von Morningstar zeigen etwa, dass aktive europäische Fixed-Income-Manager in den fünf Jahren bis Juni 2025 auf zentralen Unternehmensanleihemärkten eine signifikante annualisierte Outperformance gegenüber passiven Vergleichsprodukten erzielen konnten.

Sieben Strategien für Mehrwert im Fixed Income

Aktive Manager verfügen im Rentenmarkt über eine Vielzahl von Instrumenten, um gegenüber einer Benchmark Mehrerträge zu erwirtschaften; oder auch absolute Renditen zu erzielen.

1. Duration- und Zinskurvenstrategien

Aktive Manager können die Laufzeitenstruktur ihres Portfolios gezielter anpassen. Erwarten sie fallende Renditen, erhöhen sie typischerweise die Duration, da langlaufende Anleihen in einem solchen Umfeld stärker profitieren.

Darüber hinaus lassen sich gezielt einzelne Segmente der Zinsstrukturkurve über- oder untergewichten. Beispielsweise kann ein Manager bei einheitlichen Kreditspreads über die Laufzeiten hinweg Unternehmensanleihen im kurzen Bereich übergewichten und gleichzeitig länger laufende Staatsanleihen beimischen. So lässt sich die Rendite optimieren, ohne das Kreditrisiko unverhältnismäßig zu erhöhen.

2. Wertpapierauswahl auf Basis fundamentaler Analyse

Die Fundamentalanalyse im Kreditbereich zielt darauf ab, Emittenten zu identifizieren, deren Risiko-Rendite-Profil vom Markt nicht angemessen eingepreist ist.

Dabei werden unter anderem regulatorische Risiken, Rechtsstreitigkeiten, ESG-Faktoren, mögliche Übernahmen oder Veränderungen der Kapitalstruktur analysiert. Ziel ist es, Fehlbewertungen zu erkennen, bevor sie sich in den Spreads widerspiegeln.

3. Nutzung von Neuemissionsprämien

Anleihen besitzen ein festes Fälligkeitsdatum. Emittenten müssen daher regelmäßig an den Markt zurückkehren, um bestehende Schulden zu refinanzieren oder neues Kapital aufzunehmen.

Gerade im Unternehmensanleihemarkt werden Neuemissionen häufig mit einer leichten Renditeprämie angeboten, um Investoren anzuziehen. Aktive Manager können diese sogenannten Neuemissionsprämien gezielt nutzen, indem sie den Primärmarkt systematisch beobachten und selektiv zeichnen.

4. Nutzung der Marktfragmentierung

Während es bei Aktien in der Regel nur eine handelbare Gattung pro Unternehmen gibt, können von einem Emittenten zahlreiche Anleihen mit unterschiedlichen Laufzeiten, Währungen, Rangfolgen und Vertragsbedingungen im Umlauf sein.

Diese Fragmentierung eröffnet vielfältige Opportunitäten. So kann ein Manager beispielsweise eine nachrangige Anleihe eines finanziell robusten Großunternehmens bevorzugen, wenn die höhere Rendite das zusätzliche Risiko aus fundamentaler Sicht angemessen kompensiert.

5. Sektorallokation

Einzelne Sektoren des Rentenmarktes durchlaufen eigene Kreditzyklen, die sich vom Gesamtmarkt unterscheiden können. Bewertungen spiegeln dabei nicht immer die tatsächliche Fundamentallage wider.

Aktive Manager sind nicht verpflichtet, schwache oder strukturell hoch verschuldete Sektoren zu halten. Sie können Engagements reduzieren, wenn sich Fundamentaldaten verschlechtern, und Kapital gezielt in Bereiche mit stabileren Bilanzen oder attraktiveren Bewertungen umschichten.

6. Beta-Management

Anleiheindizes repräsentieren zu jedem Zeitpunkt ein bestimmtes Gesamtkreditrisiko. Aktive Manager hingegen können das Kredit-Beta flexibel steuern.

Ein Beispiel ist der Bloomberg Aggregate Index, der Staats- und Unternehmensanleihen kombiniert. Je nach Marktphase kann ein aktiver Manager den Anteil von Unternehmensanleihen erhöhen, wenn Kreditspreads attraktiv erscheinen, oder in defensivere Staatsanleihen umschichten, wenn sich das konjunkturelle Umfeld eintrübt.

7. Relative-Value-Strategien

Anleihen desselben Emittenten können je nach Währungsraum oder Marktsegment unterschiedlich bewertet sein. Ein global tätiges Unternehmen kann etwa Anleihen in US-Dollar, Euro oder Yen ausgeben, wobei sich die Spreads je nach lokaler Nachfrage und Marktumfeld unterscheiden.

Aktive Manager können diese Bewertungsunterschiede nutzen, indem sie das Engagement dort erhöhen, wo das relative Risiko-Rendite-Verhältnis am attraktivsten erscheint.

Strukturelle Schwächen passiver Rentenstrategien

Neben den Opportunitäten für aktive Manager weisen passive Ansätze im Rentenmarkt strukturelle Besonderheiten auf, die Anleger berücksichtigen sollten.

Verschuldungsgewichtete Indizes

Im Gegensatz zu Aktienindizes, die tendenziell die größten und wirtschaftlich erfolgreichsten Unternehmen abbilden, gewichten Anleiheindizes nach ausstehendem Schuldenvolumen.

Das bedeutet: Je höher die Verschuldung eines Emittenten, desto größer sein Indexgewicht. Dies kann zu einer Konzentration auf stark verschuldete Staaten oder Unternehmen führen – und damit zu unbeabsichtigten Klumpenrisiken.

Geschwächte Marktdisziplin

Mit dem wachsenden Anteil passiver Strategien nimmt die disziplinierende Funktion aktiver Investoren ab. Passive Fonds halten Anleihen entsprechend ihrer Indexgewichtung, unabhängig davon, wie sich Fundamentaldaten entwickeln.

Damit verliert der Markt teilweise jene „Bond-Vigilantes“-Funktion, bei der Investoren Emittenten mit unsolider Finanzpolitik durch höhere Refinanzierungskosten sanktionieren.

Höhere Umschlagshäufigkeit

Rentenindizes unterliegen einer deutlich höheren Fluktuation als Aktienindizes. Anleihen scheiden aus, wenn sie sich ihrer Fälligkeit nähern oder unter Mindestbonitätsanforderungen fallen.

Besonders relevant ist dabei die zunehmende Dominanz von BBB-gerateten Emittenten in Investment-Grade-Indizes. Im Bloomberg US Investment Grade Corporate Index machen BBB-Anleihen inzwischen nahezu die Hälfte des Index aus, während Titel mit AAA- oder AA-Rating nur noch einen geringen Anteil stellen.

In wirtschaftlich angespannten Phasen kann es zu Herabstufungen unter Investment Grade kommen. Passive Investoren sind dann gezwungen zu verkaufen – häufig zu ungünstigen Zeitpunkten. Zusätzlich können Transaktionskosten und Gebühren im Zuge von Indexanpassungen dazu führen, dass passive Fonds hinter ihrer Benchmark zurückbleiben.