Wer in einen aktiven ETF investiert, erwartet aktives Management! Also bewusste Abweichungen vom Vergleichsindex mit dem Ziel, eine Mehrrendite zu erzielen. Doch wie aktiv sind diese Produkte tatsächlich? Eine Analyse zeigt: Viele aktive ETFs bleiben deutlich näher am Index, als ihr Name vermuten lässt.
Analyse von Active Share und Tracking Error
Eine Untersuchung der in Deutschland verfügbare aktive ETFs bietet interessante Ergebnisse. Als Maßstab dienten jeweils die im Verkaufsprospekt angegebenen Vergleichsindizes; jene Benchmarks, an denen sich die Anbieter selbst messen lassen.
Hierbei sind zwei Kennzahlen besonders wichtig:
- Active Share: Diese Kennzahl misst, wie stark sich ein Portfolio in seiner Zusammensetzung vom Vergleichsindex unterscheidet. Ein Wert von null Prozent bedeutet, dass der Fonds identisch mit dem Index ist. Ein Wert von 100 Prozent zeigt an, dass es keine Überschneidungen zwischen Portfolio und Benchmark gibt.
- Tracking Error: Er beschreibt die Schwankungsbreite der relativen Wertentwicklung im Vergleich zur Benchmark über einen bestimmten Zeitraum. Ein niedriger Tracking Error signalisiert eine sehr indexnahe Wertentwicklung, während ein hoher Wert stärkere Abweichungen durch aktives Management nahelegt.
Die Auswahl an untersuchten Produkten war begrenzt. Der Marktanteil aktiver ETFs liegt weltweit weiterhin bei unter zehn Prozent. Zudem sind viele Produkte noch so jung, dass kein einjähriger Track Record vorliegt, eine Mindestvoraussetzung für die Berechnung der Kennzahlen.
Mehrheit der Produkte agiert indexnah
Das Ergebnis der Analyse fällt eindeutig aus:
Die Mehrheit der untersuchten aktiven ETFs weist einen Active Share von unter 60 Prozent auf, gleichzeitig liegt der Tracking Error meist unter zwei Prozent.
Diese Kombination spricht eher für einen indexnahen Ansatz als für ein deutlich aktives, konzentriertes Portfoliomanagement. Zwar weichen die Produkte formal vom Index ab, in der Praxis bewegen sie sich jedoch in dessen unmittelbarer Nähe.
Höhere Abweichungen oft strukturell bedingt
Einige wenige Produkte zeigen deutlich höhere Werte beim Active Share und Tracking Error. Dabei handelt es sich häufig um thematische ETFs, etwa mit Schwerpunkt auf Klima- oder Nachhaltigkeitsstrategien, die als Benchmark breit gefasste Indizes wie den MSCI ACWI nutzen.
In solchen Fällen entsteht ein hoher Active Share oft bereits durch die thematische Fokussierung selbst, unabhängig davon, wie aktiv der Fondsmanager tatsächlich agiert. Die strukturelle Abweichung vom breit gestreuten Index führt automatisch zu höheren Kennzahlen.
Benchmark-Wahl beeinflusst das Ergebnis erheblich
Ein zentraler Faktor bei der Bewertung ist die Wahl des Vergleichsindex.
Vergleicht man einen aktiven US-Aktien-ETF mit dem S&P 500 statt mit dem Dow Jones Industrial Average, ergeben sich allein aufgrund der unterschiedlichen Titelanzahl Abweichungen. Der S&P 500 umfasst 500 Unternehmen, der Dow Jones dagegen nur 30.
Ähnliches gilt für den Unterschied zwischen dem MSCI World mit rund 1.650 Titeln und dem MSCI ACWI mit etwa 2.900 Unternehmen. Bereits diese strukturellen Unterschiede können Active Share und Tracking Error erhöhen, ohne dass zwingend ein stärker aktiver Managementansatz dahintersteht.
Junger Markt mit Entwicklungspotenzial
Der Markt für aktive ETFs befindet sich noch in einer frühen Wachstumsphase. Neue Produkte kommen kontinuierlich hinzu, Strategien entwickeln sich weiter. Das heutige Bild muss daher nicht dauerhaft Bestand haben.
Aktuell jedoch zeigt die Analyse: Trotz des Labels „aktiv“ dominiert bei vielen Produkten ein eher indexnaher Managementstil.
Für Anleger bedeutet das: Wer ein wirklich aktives Investment sucht, sollte nicht allein auf die Produktbezeichnung vertrauen, sondern Kennzahlen wie Active Share, Tracking Error und die gewählte Benchmark genau prüfen.
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