Am 30. Januar 2026 kam es zu einem markanten Rücksetzer im Goldmarkt: Goldpreise gaben an diesem Handelstag um nahezu 10 Prozent oder mehr nach, der stärkste Tagesverlust seit Jahrzehnten, und folgten damit einer scharfen Korrektur nach einer zuvor überhitzten Rally. Analysten führen den Einbruch auf eine Kombination aus Gewinnmitnahmen, einer stärkeren US-Dollar-Bewegung und technischen Verkaufsprogrammen zurück, nachdem das Edelmetall kurz zuvor Allzeithochs erreicht hatte.
Diese kurzfristige Eintrübung ändert jedoch nichts an der langfristigen strukturellen Bedeutung von Gold als Reservewert. Seit Mitte der 1990er Jahre haben US-Staatsanleihen die Rolle des wichtigsten Vermögenswerts in den weltweiten Währungsreserven übernommen und damit früher dominierendes Gold abgelöst.
Diese Entwicklung war maßgeblich europäisch geprägt: Europäische Zentralbanken reduzierten ihre Goldbestände im Vorfeld der Euroeinführung, wodurch der Anteil des Edelmetalls in globalen Reserven deutlich sank – von rund 60 Prozent in den 1980er Jahren auf etwa zehn Prozent Anfang der 2000er. Gleichzeitig stieg der Anteil amerikanischer Staatsanleihen von knapp zehn auf etwa 30 Prozent und verharrte über zwei Jahrzehnte auf hohem Niveau.
In den vergangenen Jahren zeichnet sich jedoch eine Trendwende ab. Bereits 2024 verdrängte Gold den Euro als zweitwichtigsten Reservewert, und seit Herbst 2025 liegt es auch wieder vor US-Staatsanleihen in den globalen Devisenreserven. Dieses Verschiebemuster basiert auf gleich zwei fundamentalen Kräften.
Rückläufige Nachfrage nach US-Anleihen
Seit Mitte der 2010er Jahre bauen viele Zentralbanken ihre Bestände an US-Staatsanleihen ab. Besonders auffällig ist dies bei China, das seine Positionen seit 2013 um fast 40 Prozent reduziert hat, während andere asiatische Zentralbanken diesem Trend folgen und sich stärker am chinesischen Yuan orientieren. Japan hält zwar nominal hohe Bestände, ihr Anteil an den gesamten US-Staatsschulden ist jedoch von rund zehn auf weniger als fünf Prozent gesunken. Die meisten anderen Industrieländer haben ihre Positionen weitgehend stabil gehalten, lediglich das Vereinigte Königreich konnte sein Engagement zuletzt ausweiten.
Gold als strategisches Reservegut
Parallel dazu hat sich die Nachfrage nach Gold verstärkt. Anreize dafür liefern geopolitische Spannungen, wirtschaftliche Unsicherheiten und die anhaltende Suche vieler Zentralbanken nach unabhängigen Reservewerten. Gold ist nicht an die Kreditwürdigkeit eines einzelnen Staates gebunden und bleibt einer der wenigen Vermögenswerte, der erhebliche Kapitalabflüsse aus dem Markt für US-Staatsanleihen absorbieren kann. Mit einem globalen Marktvolumen von etwa 25 Billionen US-Dollar ist der Goldmarkt nahezu so groß wie der Markt für US-Staatsanleihen (ca. 30 Billionen US-Dollar) und deutlich größer als etwa der Handel mit japanischen oder Eurozonen-Staatsanleihen.
Andere Anlageklassen fallen im Vergleich deutlich zurück: Der Markt für chinesische Staatspapiere ist zwar groß, bleibt aber für viele internationale Investoren schwer zugänglich. Kryptowährungen, die gelegentlich als alternatives „sicheres Asset“ propagiert werden, weisen mit weniger als zwei Billionen US-Dollar Marktkapitalisierung eine deutlich geringere Tiefe auf.
Kurzfristige Marktbewegungen trotz strukturellem Trend
Die jüngste Korrektur im Goldpreis kann als typische zyklische Reaktion nach einer starken Rally verstanden werden: Nach historischen Rekordständen lösten Gewinnmitnahmen und eine zeitweise Dollar-Stärke einen scharfen Rücksetzer aus. Technische Faktoren wie erhöhte Margin-Anforderungen bei Futures und algorithmische Verkäufe können solche Bewegungen verstärken, ohne den langfristigen strukturellen Trend in Frage zu stellen.
Politische Risiken und Perspektiven
Zusätzlich zu makroökonomischen Faktoren könnte das Vertrauen in US-Staatsanleihen durch politische Unsicherheiten unter Druck geraten. Konfrontative Außenpolitik und institutionelle Entscheidungen einzelner Staaten haben bereits zu ersten Verkäufen von US-Anleihen durch Pensionsfonds geführt. Zwar handelt es sich dabei bislang um relativ geringe Volumina, doch der symbolische Charakter solcher Schritte könnte Signalwirkung entfalten.
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